Diese Vorteile bringt Leistungsmessung im Rennen

Gregor im Rennen - bessere Krafteinteilung dank Leistungsmessung
Gregor im Rennen - bessere Krafteinteilung dank Leistungsmessung

Während man im Training jederzeit einen Blick auf die Zahlen auf dem Display werfen kann, um sein Training genau umzusetzen, wird einem im Rennen das Tempo diktiert. Man muss das Tempo des Feldes mitgehen oder man findet sich bald ganz hinten wieder. Bei sehr hektischen und technischen Rennen ist ein Blick auf die Powermeterdaten in der Regel nicht möglich, da man sich auf das Renngeschehen konzentrieren muss. Trotzdem kann man das Powermeter oft genug im Rennen dazu nutzen sich die Kräft besser einzuteilen. Gerade bei Rennen mit einem Anstieg oder wenn man in einer Ausreißergruppe ist kommen die Vorteile der Leistungsmessung zum Tragen.

Nach Teil 1 zu den Vorteilen der Leistungsmessung zur Trainingssteuerung folgt nun Teil 2 zur Nutzung der Leistungsmessung im Rennen. Julius beschreibt praxisnah anhand von verschiedenen Rennsituationen, welche Vorteile die Leistungsmessung im Rennen bietet.

#Ausreißergruppe

 

Als erstes Beispiel dient ein Kriterium. Nach der ersten Runde fand ich mich in einer dreiköpfigen Ausreißergruppe wieder. Aus den in Rennen und Training gesammelten Daten wusste ich welche Wattwerte ich über bestimmte Zeiten leisten kann. Konkret hieß das für mich in der Führungsarbeit gleichmäßig mit ca. 320-350 Watt zu fahren. Wichtig war es mir diese Wattzahl nicht zu überschreiten, da ich sonst zu stark in den roten Bereich gehe und dann keine Reserven für die Kriteriumssprints mehr habe. So war es mir möglich mich zwischen den Wertungen zu „erholen“ und trotzdem meine Anteil zur Führungsarbeit zu leisten.

Im Screenshot sieht man, dass ich bei meinen drei Führungen unterhalb der mir gesteckten Grenze von 350 Watt geblieben bin. (Referenzlinie 350Watt, geglättet auf 12sek)
Im Screenshot sieht man, dass ich bei meinen drei Führungen unterhalb der mir gesteckten Grenze von 350 Watt geblieben bin. (Referenzlinie 350Watt, geglättet auf 12sek)

#Anstiege / Zeitfahren

 

Gerade bei bergigen Kursen besteht die Gefahr, zu hart in den Berg zu fahren, sodass einem oben die Luft ausgeht oder man zu viele Kräfte vergeudet, die einem dann am Ende des Rennens fehlen.

 

Beim Rennen am Pfingstwochenende in Oberhausen gab es einen Anstieg, der je nach Tempo in 45 bis 60 Sekunden hinaufgefahren wurde. Von Beginn an probierte ich am Anstieg maximal 500 Watt zu treten. Alles was darüber hinaus geht bringt mich in den roten Bereich und ist zu vermeiden. Am Anfang des Anstiegs verlor ich immer viele Positionen, da viele Fahrer sehr hart in den Anstieg hineinfuhren. Im zweiten Teil des Anstieges konnte ich jedoch viele Positionen wieder gutmachen, ohne zu tief in den roten Bereich zu müssen. Gegen Ende des Rennens hatte ich dann noch genug Reserven um Attacken am Berg mitzugehen oder zu fahren und wurde ca. 30..

 

Noch besser funktioniert das Pacing an längeren Anstiegen oder Zeitfahren, wie zum Beispiel bei Rad am Ring. Gerade, wenn man bei einem 24h- Rennen mit seinen Kräften haushalten muss ist es eine sehr große Hilfe, wenn man sich an einem Wert orientieren kann, bei dem man weiß, dass man ihn die erfoderliche Dauer treten kann. 

Beim Zeitfahren kann Leistungsmessung hervorragend zum richtigen Pacing eingesetzt werden.
Beim Zeitfahren kann Leistungsmessung hervorragend zum richtigen Pacing eingesetzt werden.

#Auswertung der Leistungsdaten aus Rennen für die Trainingsplanung


Selbst wenn das Rennen so hektisch war, dass man keine Möglichkeit hatte aufs Display zu schauen, kann man anhand der Leistungsdaten herausfinden, was im nächsten Training angegangen werden muss um erfolgreicher abzuschneiden.


Wenn ich beispielsweise in einem Rennen abgehängt wurde, schaue ich mir an, wo genau ich an meine Grenzen gestoßen bin und welche Art der Belastung es war. War es ein kurzer Anstieg oder eine Windkantensituation? Anhand dieser Herangehensweise kann man schnell herausfinden, was einem den garaus gemacht hat und diese Inhalte dann in sein Training übertragen und so an seinen Begrenzern arbeiten.

 

Ein Parameter, der erst seit kurzem in der Auswertung von Powermeterdaten herangezogen wird ist die sogenannte W'-Balance. Vereinfacht gesagt drückt W' aus, wie viel von deiner anaeroben Kapazität aufgebraucht ist. Je nach Fahrertyp hat man eine unterschiedlich hohe anaerobe Kapazität. Sprinter haben typischerweise eine hohe anaerobe Kapazität bei einer geringeren Dauerleistung (Schwelle/FTP, also das was ich über eine Stunde maximal leisten kann), während es bei Zeitfahrern umgekehrt ist. Jedes mal, wenn ich als Fahrer oberhalb meiner Schwelle fahre, brauche ich etwas von meiner anaeroben Kapazität auf. Je weiter ich meine Schwelle überschreite, desto schneller habe ich sie erschöpft, wenn ich meine Schwelle unterschreite regenieriere ich dagegen meine anaerobe Kapazität.

 

In der Praxis bedeutet dies: Im Rennen soviele (vermeidbare) Wattspitzen wie möglich vermeiden, damit man die rennentscheidenden Attacken mitgehen kann.

Im obigen Screenshot sehen wir meine W'-Balance aus dem Kriterium, das ich eingangs erwähnt hatte. Wenn man den Graphen betrachtet, sieht man, dass er gleich zu Beginn sehr stark abfällt. Hier versuche ich gerade mich mit den Mitstreitern vom Feld abzusetzen. Hierfür muss ich wieder in den roten Bereich, sprich meine anaerobe Kapazität aufbrauchen. Nach der ersten Wertung ist sie fast bei null. Da wir bis dahin schon einen guten Vorsprung hatten, konnten wir gleichmäßig zusammenarbeiten und ich bin innerhalb der eingangs beschriebenen 320-350Watt bei den Führungen geblieben. Wie man sieht erholt sich meine anaerobe Kapazität bis zur nächsten Wertung wieder.


Im folgenden Screenshot sieht man ein Rundstreckenrennen, das ich nach einer längeren Rennpause gefahren bin. Es war nass und es wurde von Beginn an sehr schnell gefahren. Es gab dort für mich keine Zeit zum regenieren.

Am Ende des Rennens hatte ich im Sprint keine guten Beine mehr. Mir fehlte die notwendige Kraft zur guten Positionierung und zu einem ordentlichen, explosiven Sprint. Ich war schon vor der Zielgeraden k.O..

 

Um diese Situation zu verbesseren könnte man zum einen im Training mehr Schwellentraining unterbringen um die Schwelle zu erhöhen und anaerobe Inhalte ins Training integrieren. Da ich in der Rennpause schon an meiner Schwelle gearbeitet hatte, habe ich mich auf die anaeroben Inhalte konzentriert um wieder Rennform zu erlangen.

 

Was die W'-Balance (noch) nicht zeigen kann ist, wie oft man seine Kapazität aufbrauchen kann, oder wie lange man im „roten Bereich“ fahren kann. Das wird im obigen Screenshot deutlich, denn laut dem Graphen war ich noch nicht vollständig erschöpft.


#Fazit


Ein Powermeter ist ein gutes Instrument um die Kräfte einzuteilen, Trainingsvorgaben umzusetzen und eigene Defizite aufzudecken. Am Ende kommt es jedoch auf den Fahrer an. Zum muss er die Daten interpretieren können und zum anderen muss er das Rennen clever fahren. Er muss wissen, wann es sich lohnt Kräfte zu investieren und wann man sich besser schont.

 

Falls ihr noch Fragen oder Wünsche für andere Beiträge habt, lasst es uns in den Kommentaren wissen.

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