Trainingssteuerung per Leistungsmessung  - das solltest Du wissen

Tobias SRM Power Control
Tobias SRM Power Control

Einige unserer Fahrer trainieren mit einem Powermeter. Wie sich das Training mit einem Leistungsmesssystem gestaltet und welche Vor- und Nachteile es mit sich bringt, werdet ihr von unseren Fahrern Julius und Björn erfahren.

Den Anfang macht Björn, er erzählt euch, wie sein Trainingsalltag mit dem Powermeter aussieht. Julius wird euch in Teil II die Vor- und Nachteile des Einsatzes eines Leistungsmessers im Rennen darstellen.

Was bringt Dir ein Leistungsmesssystem?

 

Diese Frage werden sich vor allem weniger versierte Radfahrer oder Interessierte stellen. Fangen wir mal von vorne an:

 

Watt ist eine Einheit für Leistung (Energieumsatz bezogen auf eine definierte Zeitspanne). Während des Tretvorgangs wird Energie umgesetzt, die je nach aufgewendeter Kraft, mehr oder weniger groß ausfällt.

 

Kurz zusammengefasst ermöglicht ein Leistungsmesssystem:

 

  • die sekundengenaue Aufzeichnung der abgegebenen Leistung während einer Trainingsfahrt
  • nachträgliche Interpretation der Trainingsdaten zur Bestimmung der Stärken und Schwächen
  • die gesammelten Daten ermöglichen ein zielgerichtetes Training

Wie genau sehen deine Trainingseinheiten mit dem Powermeter aus?

 

Zuerst werfe ich eine Blick in meinen Trainingsplan, der mir von meinem Trainer Erik Santen (Cycling-Coach-Lab) zur Verfügung gestellt wird.

Zugegeben, auf dem ersten Blick sieht diese Beispieltrainingseinheit sehr verwirrend aus, weshalb ich sie mal kurz erkläre:

Ausgeführt wird die Einheit auf dem Rollentrainer und beginnt mit einem 20 minütigen Warmfahren bei 150 Watt, gefolgt von einer 3 minütigen Phase bei 240 Watt. Anschließend steht eine 10 minütige Erholung an, die ebenfalls bei 150 Watt gefahren wird.

 

Nun beginnt die eigentliche Trainingseinheit. Die folgenden 10 Minuten werden im Wechsel von 350 Watt (40sec Dauer) und 150 Watt (20sec Dauer) gefahren. Das wiederholt sich insgesamt drei Mal und wird durch eine 10 minütige Pause bei 150 Watt unterbrochen. Die Einheit wird mit 280 Watt bei 10 Minuten Dauer abgeschlossen.

 

Auf dem Rad werden die Leistungswerte in der Kurbel gemessen und per Funk an meinen Radcomputer gesendet. Als Hardware kommt bei mir eine Power2Max-Kurbel und ein Garmin Edge 510 zum Einsatz. Die Werte werden in Echtzeit übertragen. Somit ist es möglich, schon auf dem Rad festzustellen, ob ich im richtigen Trainingsbereich trainiere.

Zu Hause werden die Daten gesammelt und an meinen Trainer übermittelt, der nach Auswertung und Interpretation den Trainingsplan anpasst.

Welche Vor- und Nachteile bringt der Einsatz eines Leistungsmesssystem mit sich?

 

Beginnen wir mit den Nachteilen. Ein Leistungsmesssystem ist ein professionelles Messinstrument, welches vor einigen Jahren nur den Profis zugänglich war, da der Einsatz und die Beschaffung mit sehr hohen Kosten verbunden war. Heutzutage sind die Systeme zwar sehr viel günstiger, aber immer noch recht teuer. Das günstigste Modell beginnt bei ca. 600 (Stages Powermeter). Hinzu kommt noch ein Radcomputer, der ca. 250 kostet. Ein weiterer Nachteil ist auch die Komplexität. Allein der Einsatz eines Wattmessers bringt noch keine Vorteile mit sich. Von Nutzen ist das System erst, wenn man die gewonnenen Daten auch interpretieren kann. Das bedeutet, dass zur korrekten Anwendung sehr viel Fachwissen von Nöten ist, um überhaupt zu verstehen, wie sich die Leistungsdaten zusammensetzen. Weiterhin muss ich wissen, wie ich die entsprechenden Werte durch angepasstes Training verbessern kann.

 

Dazu möchte ich ein kleines Beispiel vorstellen:

Angenommen, die erzeugten Leistungswerte aus einem Radrennen geben mir Aufschluss darüber, dass ich nach 5-6 Attacken meiner Kontrahenten dem Tempo nicht mehr folgen konnte, dann heißt das für mich, dass mein Körper nicht in der Lage war, ausreichend oft die benötigte Leistung abzurufen.

Angebracht wäre jetzt ein 40/20-Training (wie in der Einheit oben beschrieben) um die maximale Sauerstoffaufnahme zu verbessern. Durch Training passt sich der Körper den ausgesetzten Reizen an. Man wird also fitter  und ist zukünftig in der Lage höheren Belastungen stand zu halten.

 

Die Trainingseinheit wird von meinem Garmin-Radcomputer aufgezeichnet. Die gesammelten Daten zeigt mir meine Trainingssoftware (Golden Cheetah) in vielen Graphen an, wie z.B. dem folgenden:

Die Grafik zeigt die aufgezeichneten Leistungswerte der oben vorgestellten Trainingseinheit. Nun muss ich die gesammelten Werte interpretieren. Wie zu sehen ist, sind die Werte durchgehend recht homogen. Im letzten Intervall ist auch kein Abfall der Leistung zu erkennen. Ich bin in dieser Trainingseinheit also nicht an meine Belastungsgrenze gegangen. Es wäre somit möglich gewesen, noch einen weiteren Block mit 10 40/20-Intervallen durchzuführen. Das macht vor allem dann Sinn, wenn der folgende Tag ein Ruhetag ist.

 

Wie ihr seht, ist nicht nur das Erstellen eines Trainingsplans eine Wissenschaft für sich, sondern auch das Auswerten und Interpretieren der Daten.

 

Damit kommen wir auch schon zu den Vorteilen:

 

Mit einem Leistungsmesssystem ist es erstmals möglich, genau zu kontrollieren, in welchen Trainingsbereichen sich der Athlet während des Trainings oder Rennens befindet. Früher wurden die Herzfrequenzdaten zu Rate gezogen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass der Herzmuskel viel zu träge auf die Belastungen reagiert. Das kann jeder von euch mal selbst testen. Legt euren Pulsgurt um und sprintet in einer Trainingseinheit mal richtig los. Ihr werdet sehen, dass eure Herzfrequenz erst sehr viel später beginnt anzusteigen. Mit einem Leistungsmesssystem sehr ihr sofort, ob ihr ausreichend hart in die Pedale getreten habt, denn die aufgewendete Leistung wird sofort an euren Computer übermittelt.

 

Weiterhin ist es möglich, durch die Aufzeichnung der Trainingsdaten den Trainingsplan anzupassen. Besonders wichtig sind dabei natürlich die Daten aus den Rennen. Denn die zeigen uns, zu welchem Zeitpunkt wir das Tempo der Konkurrenz nicht mehr mitgehen konnten und geben uns somit die Möglichkeit, das Training gezielt anzupassen.

 

Das sind natürlich nur einige Vorteile, die uns ein Leistungsmesssystem liefert.

Welche Systeme kommen zum Einsatz und wie wird dabei die Leistung ermittelt?

 

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Geräten auf dem Markt. Das bekannteste Produkt, welches von den meisten Profis eingesetzt wird, ist die SRM-Kurbel. Sie misst mit Hilfe von Dehnungsmessstreifen im Kurbelstern die Verbiegung der Kurbel und errechnet daraus die aufgewendete Leistung. Dieses System nutzen auch viele andere Hersteller wie z.B. Power2Max, Rotor und Quarq, die sich vor dem SRM nicht verstecken müssen. Stages misst nicht die Verbiegung im Kurbelstern, sondern im linken Kurbelarm.

 

Der Hersteller Garmin geht einen anderen Weg. Bei diesem System wird die Leistung in der Pedalachse mit einem Piezo gemessen. Powertap misst die Leistung in der Hinterradnabe (die durch die Kette angetrieben wird).

 

Bei uns im Team kommen die Systeme von SRM, Power2Max, Stages und Powertap zum Einsatz. Wie bereits beschrieben, ist die Messmethodik jeweils eine andere, eines haben die Geräte aber alle gemeinsam: Sie messen sehr zuverlässig die erbrachte Leistung.

Falls ihr noch Fragen zum Training mit einem Powermeter habt, dann hinterlasst uns einfach einen Kommentar unter diesem Artikel!

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