BDR Kommissär Erik Grohnwaldt im Interview

Letzte Hinweise am Start und Kontrolle des Starterfeldes
Letzte Hinweise am Start und Kontrolle des Starterfeldes

Neben den Sportlern sind für die Austragung eines Rennen unzählige Leute mit der Organisation und Absicherung beschäftigt. Für die regelkonforme Austragung sorgen die Kommissäre. Sie stellen sicher, dass am Ende der Beste gewinnt.

 

Wir stellen Euch in unserer Reihe "Streckenrand" heute BDR Kommissär Erik Grohnwaldt aus Greifswald im Interview vor.

Wie bist Du Kommissär geworden, was reizt Dich an dem Job?
"Nachdem ich ein einige Jahre Veranstaltungsorganisation gemacht habe, meine Zeit für den Radsport aber knapper wurde, habe ich mich nach einem anderen Betätigungsumfeld umgesehen. Bei den eigenen Veranstaltungen war es für mich schon immer schwierig eine ausreichende Anzahl Kommissäre im Landesverband zusammen zu bekommen, daher habe ich dann bei der nächsten Gelegenheit den Lehrgang mitgemacht und war dann Kommissär. So hat man die Gelegenheit hautnah am Renngeschehen dabei zu sein, allerdings ohne die 4 Monate vorbereitendes Training.

Der Beitrag den man leistet ist auch für den Sport nicht unerheblich. Man sorgt als unparteiischer dafür, dass für alle Teilnehmer der Veranstaltung die Regeln eingehalten werden und in einem sportlich fairen Wettkampf ein Sieger ermittelt werden kann. Man übernimmt also sowohl für die Sportler als auch den Veranstalter die Qualitätssicherung aus sportlicher Sicht."

Du bist neben Göran Mödebeck der zweite BDR Kommissär in MV. Wie ist eigentlich die Nachwuchslage beim Wettkampfgericht?
"Beim Nachwuchs für die Kampfrichter sieht es schlecht aus. Aktuell ist die Situation so, dass wir im Landesverband ohne Aushilfen aus anderen Landesverbänden keine größeren Rennen mehr mit Kommissären abdecken können."

Welche Kommissärstufen gibt es denn und was muß man machen um Kommissär zu werden?
"Auf nationaler Ebene gibt es die Stufen:
Kommissär - damit kann man Mitglied eines Wettkampfausschusses sein - es reicht der Besuch eines eintägigen Lehrgangs.
LV-Kommissär - damit kann man Leiter eines Wettkampfausschusses werden - der Lehrgang ist dann schon ein Wochenende, man sollte Erfahrung als Kommissär mitbringen und er wird mit einer Prüfung abgeschlossen.
BDR-Kommissär - man ist bei nationalen und internationalen Rennen in ganz Deutschland unterwegs - der Lehrgang ging über eine Woche, es wurde Erfahrung als Kommissär und gute Kenntnis der Regelwerke vorausgesetzt und es gab eine Prüfung am Ende.
Für die Kommissärsstufen der UCI finden die Ausbildungen dann schon nicht mehr in Deutschland statt und man muss mehrjährige Erfahrung als BDR-Kommissär vorweisen können.
Kommissär kann jeder werden, der Spaß am Radsport hat und sich abseits vom selber Fahren einbringen möchte. Man wächst mit seinen Aufgaben."

Eine der leichten Aufgaben der Kommissäre: die Rundenanzeige
Eine der leichten Aufgaben der Kommissäre: die Rundenanzeige

Wie sieht denn so ein typischer Renneinsatz aus?
"Das hängt natürlich stark vom Renntyp ab. Bei Straßenrennen gilt es ja dann auch den Konvoi zu organisieren. Meistens werden aber Rundstreckenrennen und Kriterien ausgetragen. Als Kommissär muß man natürlich frühzeitig vor dem ersten Start vor Ort sein und sich im Vorfeld mit der Ausschreibung befasst haben. Dann gilt es sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen und sicherzustellen, dass Kurs und Zieleinlauf auch sicher für die Teilnehmer sind. Dann werden die Aufgaben innerhalb des Kommissärskollegiums verteilt: Übersetzungskontrolle, Führungsfahrzeug, Zielwagen usw. Sobald die ersten Teilnehmer vor Ort sind gibt es dann auch häufig Fragen, die es zu beantworten gilt. In den Nachwuchsklassen muß vor oder nach den Rennen die Übersetzung kontrolliert werden und dann am Start ob auch alle Teilnehmer auf der Starterliste tatsächlich das Rennen aufnehmen. Sonst kann es dann zu Verwirrung kommen.

Während des Rennens gilt es Übersicht über das Geschehen zu behalten. Wer ist überrundet? Wer verlässt das Rennen? Wenn mehrere Rennen gleichzeitig auf dem Kurs ausgetragen werden, müssen diese natürlich auch koordiniert werden. Dann halten uns natürlich die Prämiensprints und Punktwertungen beschäftigt. Die Rundenanzeige muß stimmen und die letzte Runde eingeleutet werden. Beim Zielsprint eines Feldes braucht es dann ein gutes Auge, wer kommt vor wem an? Gibt es Unsportlichkeiten oder Behinderungen im Sprint?

Kurzum es gibt immer etwas zu tun. Und wenn das letzte Rennen beendet ist, steht noch die Auswertung mit dem Komissärskollegium an und ein Bericht des Kommissionsvorsitzenden für den BDR.

Wer als Kommissär anfängt wird natürlich zunächst mit den einfacheren Aufgaben betreut. Die zu tragende Verantwortung wächst dann mit der Erfahrung."

 

Wie ist Dein Selbstverständnis, Deine Philosophie als Kommissär?
"Ich denke zuerst kommt immer: Ruhe bewahren und direkt danach, wenn die Zeit reicht: sich einen größtmöglichen Überblick zu verschaffen. Da die Zeit im Ernstfall meist knapp ist, sollte man sich im Vorfeld so gut wie möglich auf alle Ausnahmesituationen vorbereiten. Es gibt trotzdem noch Überraschungen, mit denen man nicht gerechnet hat."

Bei welchen Rennen warst Du denn schon im Einsatz, gabs ein Highlight?
"In diesem Jahr fiel die Quote aus familiären Gründen nicht ganz so gut aus. Insgesamt habe ich aber glaube ich in den vergangenen Jahren kaum ein Straßenrennen in Mecklenburg Vorpommern ausgelassen. Ein Highlight sind auf jeden Fall immer die Rundfahrten, von denen es im Landesverband im Moment leider keine gibt. Die Bike Transalp von Mittenwald in mehreren Etappen an den Gardasee - das war auf jeden Fall ein Erlebnis. Sowohl sportlich als auch landschaftlich und natürlich in Italien dann auch, was das Eis angeht."

Hast Du noch Ziele, die Du als Kommissär erreichen möchtest?
"Ziele in dem Sinne habe ich nicht, aber der Wunsch einer Veranstaltung, bei der man in der Rückschau nichts zu bemängeln hat, weder an den eigenen Entscheidungen noch an der Durchführung des Rennens."

Gibt es etwas das Du Dir von den Sportlern wünschst?
"Ich glaube das ist so ein Dauerthema: Etwas mehr Disziplin vor und nach dem eigenen Rennen, damit die anderen Altersklassen nicht behindert werden."