Finale 5. Etappe der Oderrundfahrt: Die Entscheidung am Zeisigberg

Martin vor Tetze am Zeisigberg

Bei der Streckenbesichtigung wurde klar: Dieser Anstieg ist ein echtes Monster! Noch feucht vom vortäglichen Regenschauer, keine Chance auf abtrocknen, durch den schattigen Wald, grobes Kopfsteinpflaster, und hochgebirgsähnliche 15%: Hier sollte sie also fallen - die Entscheidung um das Gelbe Trikot von Deutschlands zweitwichtigster Rundfahrt. Heute mussten sie die Hosen runter lassen.

Volle Konzentration von Tobias Tetzlaff vor dem Rennen

Auch unsere Fahrer hatten sich einiges Vorgenommen. Gregor, der hier bereits schon mal als Dritter in den letzten Anstieg ging (dann aber durch das Abspringen der Kette wertvolle Sekunden verlor und somit die Platzierung verpasste), wollte heute noch einmal zeigen was in ihm steckt. Für Tetze galt es die Position im Gesamtklassement noch ein wenig zu verbessern indem er vorne dabei bleibt. Martin stellte sich ganz in den Dienst des Kapitäns und Racky - sicher alles andere als ein Bergkönig - wollte mal schauen, was die Kräfte noch so hergeben.

Es kam dann auch wie es kommen musste. Beim ersten Anstieg kam es im Feld zu einem regelrechten Stau, nachdem sich einige Fahrer versteuerten, quergeschossen sind, oder einfach mit dem Hinterrad durchdrehten. So mussten mehr als 50% aller Fahrer aus dem Sattel und in wahrer Crosser-Manier den Zeisigberg hinauf spurten. Ein kurioser Anblick!

Früh konnte sich eine Gruppe lösen, die dann um die Sprint- und Bergwertungspunkte fuhr. Im Hauptfeld sorgte der Berg immer wieder für beachtliche Lücken, aber in der Abfahrt und im Flachteil der Strecke kam das Hauptfeld dann doch immer wieder zusammen.

Racky musste am Anstieg einige Male aus dem Sattel gehen, ebenso Tetze. Letzterer hat im laufe des Rennens aber immer besser seinen Rhythmus gefunden und preschte zeitweise nur so über das Pflaster, machte Positionen gut. Das machte Hoffnung. Wer hier im vorderen Drittel dabei war, der hatte durchaus Chancen noch richtig weit nach vorn zu rutschen (im Gesamtklassement) und mit ein bisschen Glück geht ja auch immer noch ein bisschen mehr (Tageswertung).

Einer jedoch überraschte alle - vielleicht sogar sich selbst: Auf der Anreise noch, war er skeptisch, ob ihn die langen Distanzen der Etappen nicht zu arg zusetzen würden - doch an diesem Tag für Martin wie beseelt die 150 Kilometer und freute sich nach eigener Aussage jedes Mal auf den Anstieg. Ab Rennmitte war er immer im vorderen Bereich des Feldes zu finden. Vielleicht fand Martin mit diesem Rennen sogar sein Rennfahrerprofil: Ein versteckter Klassikerspezialist!

Nach der Halbzeit kam dann plötzlich Gregor auf Position 4 den Berg hinauf. Er entschied sich dazu alles in die Waagschale zu werfen und aus dem Feld heraus der vor ihm liegenden Spitzengruppe hinter zu fahren. Die Eier muss man erstmal haben! Leider war die Attacke nicht von Erfolg gekrönt. Und natürlich hatte dieser >Kraftakt auch wertvolle Körner verbrannt. Am Ende konnte Gregor dadurch nicht mehr auf das Tagesergebnis fahren.

Tetze hatte im weiteren Rennverlauf immer wieder damit zu kämpfen, zurück an der Hauptfeld zu fahren. Racky und Martin stellten sich selbstlos in die Dienste ihres Kapitäns, der aber zunehmend zu kämpfen hatte und auch sichtbar unzufrieden wirkte.

Martin befand sich einige Runden vor Schluss dann weiter im vorderen Drittel des Feldes und fuhr damit auf das Tagesklassement mit. Am Ende reichte es zwar nicht für eine Platzierung, dennoch ist Platz 22 bei diesem Rennen schon eine echte Hausnummer. Chapeau! Der Abstand zum Tagessieger Max Werda betrug rund eine Minute.

Tetze verlor am Ende doch noch etwas Zeit, wirkte nicht nur erschöpft, sondern auch enttäuscht. Auch wenn es dazu keinen Grund gab: Einmal mehr hat er seine Qualität bewiesen. Vom ersten Tag an etablierte es seine Leader-Rolle im Team und das Team war bereit alles für den Kapitän zu geben. Mit ein wenig Zeitfahrtraining und dem nötigen Quäntchen Glück könnte für einen wie Tetze (ggf. im kommenden Jahr) hier richtig was gehen! Heute reichte es jedoch nur für den 40. Platz – drei Minuten hinter Werda.

Martin hat am Ende somit alle überrascht: Hochzufrieden beendete er das letzte Rennen dieser Rundfahrt und schob sich somit im Gesamtklassement sogar vor Tetze! Die beiden belegen den 23. und 24. Platz in der Gesamtwertung quasi Kopf an Kopf.

Racky fehlte vielleicht noch ein wenig die Spritzigkeit um zum Beispiel bei der Flachetappe weiter vorn dabei zu sein. Im Zeitfahren bewies er jedoch einmal mehr seine Qualitäten. Natürlich hatte er auch Pech auf der ersten Etappe. Ohne seinen Defekt, hätte Racky nach dem Zeitfahren einen 13. Platz innehaben können. Am Ende wurde es der 45. Platz im Gesamtklassement. Ähnlich unglücklich lief es für Gregor, der (bedingt durch den Rückstand auf der ersten Etappe) am letzten Tag noch einmal alles auf eine Karte gesetzt hat. Natürlich kann das nicht immer von Erfolg gekrönt sein. Am Ende: Platz 48.

Nils hat sich nach seinem vorzeitigen Aus auf der 2. Etappe als Helfer absolut bezahlt gemacht. Wer weiß wieviel Organisation hinter einer solchen Rundfahrt steckt, der weiß auch welche wichtige Rolle die Helfer im Team einnehmen. Wir wünschen dir eine gute Besserung!

Mit Blick auf das extrem starke Starterfeld kann sich das BIKE Market Team erhobenen Hauptes von der 35. Internationalen Oderrundfahrt verabschieden. Wir freuen uns schon jetzt auf das kommende Jahr und sprechen den Organisatoren noch einmal unseren Dank für diese wirklich schöne Rundfahrt aus.