Interview: BMT-Fahrer Daniel Rackwitz startet beim Race Across America

RAAM Team MV: Mit BIKE Market Team Fahrer Daniel Rackwitz (links), Dennis Kruse, Stefan Nimke und Michael Kruse

Während alle nur noch über Fußball zu reden scheinen - machen sich vier Sportler aus MV in diesem Tagen auf den Weg zum Fahrrad-Abenteuer ihres Lebens: Dem Race Across America. Gut 5000 Kilometer gilt es in sieben (besser sechs) Tagen zu absolvieren. Mit dabei ist unserer Fahrer Daniel Rackwitz. Wir haben ihn kurz vor seinem Abflug nach L.A. noch ein paar Fragen gestellt:

In einer Stunde geht dein Flieger nach L.A. zum Race Across America - schon aufgeregt?


Klar ist man aufgeregt. Dieses Rennen wird sicherlich eines der größten Abenteuer in meinem Leben werden. Ich werde viele neue Erfahrungen sammeln, die ich dann auch an meine Kinder und Enkelkinder weitergeben kann. Das ist einfach was ganz Besonderes für mich, ja!


Worin liegt für dich der Reiz an dieser, nennen wir es mal „Tortur“?

 

Der Reiz liegt ganz klar darin an seine Grenzen zu gehen. Man hat ja nicht ständig die Möglichkeit seine Leistungsfähigkeit derart auszutesten und vielleicht sogar über das Machbare hinaus zu gehen. Das ist glaube ich der Reiz eines jeden Sportlers!


Rechnet ihr eigentlich auch mit einem sportlichen Erfolg bei diesem Rennen?

 

Ich glaube ich wäre in meinem Leben als Leistungssportler nie so weit gekommen, wenn ich nicht immer auch an den Erfolg geglaubt hätte. Ich kenne zwar die Konkurrenz nicht genau, klar wird es schwierig sein zu gewinnen und im Grunde haben wir auch nicht die nötigen Voraussetzungen dafür. Aber: Auch das beste Team kann sich mal verfahren und auch wir können mal Glück haben. Wenn all das zusammenkommt, kann immer was gehen. Ich werde auf jeden Fall alles dafür geben um so weit wie möglich vorne mit dabei zu sein.

Da sah alles nach Absage aus: Daniel Rackwitz stürzt  nur elf Tage vorm RAAM-Start schwer auf der Radrennbahn in Rostock
Da sah alles nach Absage aus: Daniel Rackwitz stürzt nur elf Tage vorm RAAM-Start schwer auf der Radrennbahn in Rostock und musste zusammen mit Teamkameraden Julius ins Krankenhaus.

Nun bist du ja nur 11 Tage vor Rennstart schwer gestürzt. Wie hast du dich so schnell wieder fit bekommen?


Bei dem Sturz gingen mir tausend Sachen durch den Kopf. Schon in dem Moment, in dem ich abgehoben hab und realisiert habe - Schei*e, jetzt fliegst du auf die Fresse. Das war wirklich ein böser Moment. Meine Gedanken waren da natürlich beim RAAM. Eigentlich wollte ich nur noch einmal hart trainieren und dann sowas. Als ich dann da lag habe ich erstmal meine Beine und meine Arme bewegt um so schauen ob vielleicht etwas gebrochen ist. Das funktionierte alles. Nur die Schulter wollte nicht. Die konnte ich kaum bewegen. Um ehrlich zu sein dachte ich wirklich schon: Das war es jetzt mit dem RAAM. Die Zeitspanne vom Transport ins Krankenhaus bis zum Erhalt der Befunde war wirklich die Hölle. Doch als die Ergebnisse kamen war klar: Es war nichts gebrochen, nur Stauchungen, Hämatome und Blutergüsse. Und auch wenn es bis zum Rennen nur noch elf Tage waren, war mir klar: Das schaff ich, auch wenn es wehtun wird. Schmerz ist eine Kopfsache (lacht). Fünf Tage nach dem Sturz bin ich schon wieder 80 km gefahren. Ich bin froh dass sich meine Teammitglieder so gut um mich gekümmert haben, auch meine Frau kam sofort aus Schwerin ins Krankenhaus.


Wie kam das RAAM-Team zustande und wie wichtig ist ein solches Team bei einer Tour wie dieser?


Vor zwei Jahren hatten wir es ja schon einmal probiert, doch da hatten wir dann ein Problem mit einem Teilnehmer, der hatte nämlich dann keinen Urlaub bekommen. Vor einem Jahr ist es an der Finanzierung gescheitert und in diesem Jahr hat dann aber alles gepasst. Das Team ist das wichtigste in diesem Rennen. Wir müssen uns auf einander verlassen können. Wir haben 6 Betreuer, die uns sieben Tage lang nonstop versorgen, navigieren, verpflegen, unsere Wäsche waschen. Da bleibt sicher nicht viel Schlaf. Das ist vielleicht sogar der härtere Job bei dieser Tour (lacht). Wir haben einen eigenen Sanitäter, einen Mechaniker, eine Physiotherapeutin und jemanden vom NDR mit dabei, der einen Kurzfilm über unser kleines Abenteuer drehen wird.


Was werden die größten Herausforderungen bei diesem Rennen sein?

 

Am schwierigsten werden sicher die Berge und die Hitze. Das unterschiedliche Klima wird dem Körper alles abverlangen. Von den hohen Bergen in die heiße Wüste, da können bei entsprechenden Lagen auch schon mal Temperaturunterschiede von 50°C und mehr erreicht werden. Nicht zu vergessen die Höhe. Der höchste Punkt des Rennens liegt bei etwa 3000 Metern, da ist die Luft extrem dünn.

BIKE Market Team Fahrer Daniel Rackwitz starten beim RAAM 2014

Welche Distanz wirst du in etwa zurücklegen?


Es sind 5000 Kilometer. Bei vier Fahrern käme man dann auf seine entsprechende Strecke von 1250 Kilometern. Ich hoffe aber im flachen Terrain etwas mehr fahren zu können, und dafür in dem Bergen etwas weniger. Ich denke mal ich werde so bei 1500 Kilometern in sechs bis sieben Tagen zurücklegen.


Was sind die wichtigsten Utensilien, die du mitnimmst?

 

Zu aller erst: Die Sitzcreme! (lacht) Dann braucht es eben auch die richtige Kleidung für die extrem heißen und die kalten Passagen. Und natürlich mein Fahrrad. Aber man nimmt natürlich auch ein paar persönliche Dinge mit. Videos und Fotos von meiner Familie. Es ist auch eine harte Zeit, wenn man länger von seinen Liebsten weg ist. In den Ruhephasen nehme ich mir dann immer die Bilder, das motiviert mich. Auch Musik zur Entspannung ist wichtig für mich und einen kleinen Glücksbringer von meiner Familie habe ich auch noch dabei.


Wirst du nach diesem Höllenritt überhaupt noch leistungsfähig sein?

 

Schwer zu sagen, da ich ja noch nie so ein Rennen gefahren bin. Aber ich denke, dadurch dass es ein 4er-Team ist, werden sich die Belastungen im Rahmen halten, sodass ich auch danach wieder Rennen für das BMT fahren kann. Der nächste Renntermin steht ja auch schon fest - am 29.06. in Kiel. Anfang Juli wird dann noch die Oderrundfahrt stattfinden, die auch nochmal ein echtes sportliches Highlight ist.