Der Fahrer und der Trainer - Impressionen aus dem Teamwagen (Ostseecup Boltenhagen)

Ostseecup Boltenhagen BIKE Market Team

"Immer vorne bleiben", hatte der Trainer in der obligatorischen Teambesprechung noch gemahnt, doch zum einen sagt es sich leichter als es dann am Ende vielleicht ist, und zum anderen: Hatte er trotzdem Recht damit. Nur wenige Kilometer nach dem Start kurz vor den Toren Boltenhagens machten die favorisierten Teams Dampf, stellten die Verfolger in den Wind und binnen weniger Minuten war der Kampf um den Sieg für 75 Prozent aller Starter vorüber.

Der Trainer schimpft – zu Recht - als er das sieht: "Was hab ich vorhin gesagt? Vorne fahren!!!" Er zählt durch, im zerstückelten Feld der Verfolger findet sich immer mal wieder ein Fahrer des Teams. Bei der zweiten Verfolgergruppe wird klar: Einer muss noch vorne sein. Einer der es geschafft hat. Immerhin. Der Trainer ist im Zwiespalt: Vorfahren? Oder den Großteil des Teams (im Falle eines Defektes) im Stich lassen? Er fährt vor, nur vorne zählt. Stefan Lange hat es geschafft, hat sich festgebissen und positioniert sich über die noch ausstehenden 100 Kilometer immer wieder im vorderen Drittel.

Die Gruppe ist stark. Die Schmerzen sind groß: "Das hat schon ganz schön weh getan, am Anfang", ruft er dem Trainer zu, als dieser ihn mit neuen Getränken versorgt. Nun sind alle Augen auf Ihn gerichtet. Hoffen, beten, irgendwie gutzureden und daran glauben das es was nützt. In den letzten 20 Kilometern wird es dann hektisch und ein Fahrer (LKT) kann sich lösen. Er fährt das Rennen allein nach Hause. Stefan wird im Sprint der Verfolger Zwölfter. Gemessen an der starken Konkurrenz und den fehlenden Teammitgliedern: Eine wirklich bärenstarke Leistung.

Nach dem Rennen ist Stefan sichtlich am Ende. Der Trainer entfernt seine Startnummern vom Trikot. Beide lassen den Rennverlauf noch einmal Revue passieren. Und auch wenn es der Fahrer noch nicht gemerkt hat: Man spürt die Zufriedenheit des Trainers. Es ist zwar kein Sieg, aber ein Platz der ihn mindestens genauso stolz macht.